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Montag, 2. März 2026

Midlife-Klarheit statt Midlife-Crisis

Die Kunst ist es wohl, dem Anderen Grenzen zu vermitteln, die eigene Stärke zu zeigen, ohne ihn in die Aggression zu treiben, zu brechen, oder zu beschämen. Denke, am Besten geht das mit Humor.

Ich war auf einer Party, am Samstag, eine alte Hood traf sich wieder, habe schon kurz erzählt. Das Beste daran war wohl, dass ich meine eigene Resilienz vor mir unter Beweis gestellt und sehr viel gelacht habe, offen mit allen reden konnte und mich für nichts, was war, geschämt habe. Der Zeit ihre Jugend, der Jugend ihre Freiheit. Frei nach dem Spruch der Wiener Secession.

Dass ich dem Ex nochmal eine Chance geben wollte, muss ich leider nun anders einordnen, ich habe zum Bespiel fix kein Interesse, wieder zusammenzuziehen, diese Bedingungen wird er eh nicht annehmen, und ich möchte, wenn ich ganz ehrlich bin mit mir, die nächsten zwei Jahre mindestens überhaupt keine Beziehung zu einem Mann haben. Ich möchte mit mir sein, für das Kind und meine Freund:innen, aber keine romantische Sache, das wäre mir wieder zu viel Fokus auf das Außen.

Und die wahren Abenteuer sind im Kopf, nicht wahr? Da hatte Herr Heller völlig recht. Denn sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgends.

Es ist leicht, wen zu brechen, wenn er nicht spurt. Man sieht es in der Weltgeschichte pausenlos. Einer unterwirft den Anderen, nur damit er recht haben kann und das größere Stück vom Kuchen bekommt. Wenn man jetzt aber sprachlich total geschickt ist, eine überdurchschnittliche Begabung hat, Dinge zu formulieren, zu analysieren, auf Bullshit nicht hereinzufallen, Klartext zu sprechen, kann es passieren, dass man seinen Peers und seiner Herkunftsfamilie eher unheimlich wird. Ich habe das für Euch getestet. Den IQ Test damals, 2007, der mir eine außergewöhnlich hohe sprachliche Begabung bescheinigte, hab ich unter massiver Medikamenteneinwirkung absolviert, weil das war oben am Steinhof, ich erinnere mich genau, und das Tablettenetui, das jeden Morgen ausgegeben wurde, als ich da stationär zur Erholung war, hatte in jedem Fach vier, fünf Pillen. Das sind keine Wiener Zuckerln, das Zeug ist ziemlich heftig teilweise. Auch Benzodiazepine hat man mir zeitweise gegeben, da ich so von Angst geplagt war, wie sich später herausstellte, völlig zu Recht, ich bin gespannt, wie sehr mich das Buch von Frau Pelicot treffen wird, das ich mir bestellt habe, aber das ist eine andere Geschichte. Bei der Testung jedenfalls war ich nicht wirklich im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte und trotzdem war das Ergebnis erstaunlich.

Das wundersame, das mich seither beschäftigt hatte, ist dann jedoch der Umstand, dass mich mein Umfeld oft nicht versteht. Oder vollkommen in die Opposition geht, mit mir nicht diskutiert, mir aber im Mittel zwei Monate bis zwei Jahre später meine eigenen Argumente von damals als die ihren präsentiert. Dass ich ein Gedächtnis wie ein Elefant habe ist eine Bürde, aber die noch größere Bürde ist meine Unsicherheit, die ich nun abgelegt habe, und zwar mittels eines einfachen Vorgangs, den ich hier jedoch verschweige, denn der Feind liest mit.

Ihr, die ihr mich kennt, seit Jahren, und zwischen den Zeilen so gut lesen könnt, weil ihr ähnlich denkt und liebt, wisst es sowieso schon lange.

Meine Meinung nach ist es diese windelweiche Unsicherheit, die Europa zu Fall bringen wird. Die Menschen und Anführer hier haben es einfach verlernt, klare Kante zu zeigen, weil sie über viel zu wenig Resilienz verfügen. Als Gemeinschaft ist es nicht gelungen, ein klares Ziel zu definieren, eine Vorstellung aufzubauen, an welchem Strang man gemeinsam ziehen möchte, jeder wurschtelt für sich dahin, versucht, ganz kaputalistischer Arsch, nur für sich und die seinen das Maximum herauszuholen, aber eine gemeinsame Karte, auf die man alles setzen könnte, existiert nicht, in den Köpfen.

Mir ist das Banane, ist stehe außerhalb dieser Rahmenbedingungen, auf Grund meiner Fähigkeiten und früheren Erlebnisse, aber für viele, denen es jetzt noch sehr gut geht, wird das ein unschönes Erwachen geben.

Ich will es nur gesagt haben! Mit Wischiwaschi-Positions-Losgkeit, um ja niemanden zu verärgern, verärgert man am Ende alle. Könnte man sich auf die Agenda einigen, dass man für alle hier eine bessere Zukunft schaffen möchte, auch für die Geflüchteten, die schon da sind, die anderen Kulturen, die in uns langsam aufgehen, und wir in ihnen, könnte sogar der Kapitalismus seinen Schrecken verlieren, denn, dass wir uns was leisten können, gute Dächer über den Köpfen haben, sauberes Wasser, eine intakte Umwelt, Judikative und Exekutive für die Ausreißer, die nicht mit den Spielregeln mithalten wollen und ausreichend gute Nahrungsmittel, man hätte doch eigentlich allen Grund, zusammenzuarbeiten.

Die schlechten Erbsen, die wirklich narzisstisch gestörten, die uns sensiblen und liebevollen das Leben gerade noch so vergällen, die werden nach und nach aussortiert, in dem man ihnen die Deutungshoheit entzieht, sie auf die normale Größe schrumpft, sich besinnt, dass sie keine Macht haben, weil sie gar nichts können, in Wirklichkeit. Heiße Luft, ein paar läppische Handgriffe und viel, viel Gewalt.

Ich wünsche, ich könnte Euch verraten, was mir gerade durch den Kopf geht, aber noch ist es nicht so weit.

Jetzt beginne ich mein Tagwerk. Liebe Grüße.

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