Dazwischen
Mittwoch, 16. September 2020

too much information?

Glaub die meisten halten sich ja für einen guten Menschen, aber wer kann einem das bestätigen? Wie soll das gehen? Die meisten Freunde (die das angeblich beweisen, wenn man sie denn 'hat') sind weg (so gut wie alle), kaum wird die See mal richtig rau und wenn sie das geworden ist, kann man sich oft nicht mehr auf sich selbst verlassen, also bleiben nur vage Erinnerungen an mögliche Fehler und Irrtümer. Stärken und Liebenswürdigkeiten werden dann groß ausgeblendet.

Ist es überhaupt sinnvoll, darauf hinzuarbeiten, ein guter Mensch zu sein? Wo liegt die Definition von 'gut genug'? Wenn ich, wie gerade, eine hoch komplexe Zeit habe wegen Corona und Beruf, und dann in der Früh einfach kurz meine Ruhe brauche, leidet das Kind gleich ein Trauma weil es fragt 'Wann kann ich endlich in den Kindergarten?' und ich es um sieben Uhr schon hinbringe oder ist es nicht auch möglicherweise so, dass das ein gutes Zeichen ist weil er seine Leute dort so gerne hat? Dass meine Position etwas abgeschwächt wird, weil ich nicht die Wichtigste bin vierundzwanzig Stunden am Tag? Gut für ihn?

Wenn ich aus mir raus gehe, bin ich gut. Dann lachen wir und kommunizieren beim Spielen und arbeiten wie die Anforderungen eben sind. Aber oft verschließt der Kummer mein Herz und meine Zunge. Wie ein Eisenpanzer legt sich das um meinen Brustkorb und ich weiß zwar von der Logik, dass das nicht meine Probleme sind sondern diverse andere Leute einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben, aber weil eben das Selbstvertrauen fehlt, die Bestätigung dass das, was ich leiste genügt, zweifle ich an mir und meiner Leistung.

Ich bin ein Systemproblem, das ist mir klar. Aber bin ich ein schlechter Mensch, deswegen?

Eine böse Frau?

Ist verhärmt durch Kummer sein genauso schlecht wie verhärmt durch nicht erfüllte Erwartungen? Ich weiß es nicht, ehrlich. Und ich will nicht immer bewerten, was ich sehe, es geht von alleine, gestern ein Film über die Wildnis und dann sag ich zum A dass es mich nervt weil es mir wie Werbung vorkommt, es stellt sich schließlich heraus es war Werbung, gut getarnt, also mehr oder weniger.

Aber zurück zum Punkt. Was gut gemeint ist, dass ich rumfliege um das Kind, ist vielleicht gar nicht so toll für ihn. Ich weiß auch nicht.

Ich will dieses komische eiserne Ding loswerden. Das geht am Besten mit Tätigkeit. Ich denke, ich würde einen Tag in der Wildnis gar nicht aushalten, weil ich mich damit beschäftigen müsste, was in mir für Traurigkeiten begraben sind, die ich mit Tätigkeit weghalte. Die Gefühle spüren, unter all den Schichten Kummer liegt dann das gegenwärtige Gefühl für Jetzt - all die Liebe und die Freude, die Zuversicht und Dankbarkeit - ich müsste archäologisch tätig werden in meiner eigenen Seele um zur Gegenwart vorzudringen. Dazu bräuchte ich aber einmal Ruhe und Frieden, kurz zumindest. Beim Yoga geht das - am Ende der Übungen bei der Toter Mann Meditation komme ich in diese Fluss des Spürens. Aber hey, wie oft habe ich Zeit dafür, bzw nehme sie mir? Stattdessen tippe und surfe ich in jeder freien Minute im Netz, und die Leute, die mich kennen im echten Leben, rufen an und denken es würde mir schlecht gehen, sind immer erstaunt wie fidel in klinge, es bringt also gar nichts hierher zu kommen, es ist meine Deponie, das gefällt mir aber gar nicht.

Können Sie damit etwas anfangen? Warum muss meine Deponie öffentlich sein? Ich brauche es und verstehe es aber nicht. Vielleicht weil ich reden will, damit der Dialog beginnt und ich glaube er tut das bereits.

Ich hab unlängst gehört, ich würde nur reden, nichts tun. Das kann ich so einfach nicht stehen lassen. Da ich nicht über andere rede, sondern über Systeme, ist es wohl wie mit dem auf einem gegabelten Stecken aufgespießten Würstchen, das ich gestern sah und das also zweimal angestochen war und deswegen überm Lagerfeuer fest saß und nie Gefahr lief in die Flammen zu fallen. Wie jedem der Feuererfahrung hat mit einem normalen Steckerl bestimmt schon passiert ist. Das Würstel kann rutschen, brechen oder nicht mittig genug getroffen sein. Aber diese Variante des Spießes ist genial, einfach und total wirkungsvoll.

Es ist auch wie diese gewisse Art zu denken, die man braucht um ein CAD-Programm zu bedienen, das mit Kurven arbeitet und Extrusionen und so weiter. Es geht lange nur nach Schema F aber irgendwann macht es Klick - plötzlich hat man es und das ist dann ein Dammbruch, denn man kann auf einmal nicht nur die Einzelheiten voneinander unabhängig betrachten und auswendig gelernt verwenden, sondern hat eine Art zu denken etabliert die einen munter an den weiteren Funktionen forschen läßt.

Mit der Psyche ebenso. Irgendwann macht es Rummms und man (ich) hat die Grundzüge verstanden, die verschiedenen Begriffe gelernt und ihre Entsprechung erfahren, dann weiß man (ich) dass durch das Reden durchaus Erfolge zu erzielen zu sind, solange zumindest man in einem Beruf arbeitet der Konzentration verlangt und von emotionalem Ballast sehr leicht abzulenken ist.

Ich rede also, um gut zu arbeiten, ich rede, um den Kopf frei zu haben von Angst, Stress, Terror, Panik und Zerstreuung. Für den Fokus schreibe und rede ich mir die Tasten und den Mund fusslig.

Mag sein, es gibt Glückliche die ohne Eisenband um die Seele aufgewachsen sind, ich aus diversen Gründen halt nicht. Aber ich will es unter Kontrolle kriegen und deswegen rede und schreibe ich. Das Band nämlich ist überaus mächtig aber ziemlich dumm. Mit ein bisserl Intelligenz kann man es schon überlisten, nehmen Sie zum Beispiel die Tatsache dass Sie manchmal einfrieren wenn eine soziale Situation unangenehm geworden ist und ausharren in der Hoffnung es würde gleich, aber auch wirklich jeden Augenblick, besser werden, sich auflösen. Nein, tut es nie. Das, was wirklich hilft, ist in Bewegung zu bleiben, das Fenster zu öffnen, auf die Toilette zu gehen, sich ein Glas Wasser zu holen oder einen Tee, einfach raus ohne unhöflich zu werden, aus der Situation, etwas tun.

Das löst so manchen Knopf gleich mit und wenn es nur das Band etwas lockert.

Ich halte mich nicht für besonders schlau oder gescheiter als andere, ich habe halt qua Schicksal meinen Fokus auf die Auflösung systemischer Probleme legen müssen und kann zu gut wahrnehmen, wenn etwas unrund ist. Nicht stimmig, in sich unzufrieden. Ein Kindergarten, wo wir eine Zusage hatten, war mir so unheimlich das ich absagen musste. Der wo O jetzt hingeht mir auf Anhieb enorm sympathisch, die Leitung und paar Pädagogen die ich bei der Vorstellung sprach echt ein Traum, so dass ich guten Herzens zusagen konnte. Es hat sich aber sowas von bewahrheitet, mehr kann ich dazu nicht sagen, aber was ich über Ersteren gehört habe spottet jeder Beschreibung.

Weiters glaube ich, das viele Narzissten gar keine waschechten sind, sondern eine gewisse Eigenschaft nie auflösen konnten: Bei Überforderung in den Ego - Modus zu schalten. Das ist natürlich extrem kontraproduktiv und stößt deswegen auf massiven Widerstand, weswegen diese Leute dann noch mehr Energie in den Fokus auf das Eigene legen und sich ein negativer Kreislauf entspinnt, aber wer ist ganz frei davon? Da hilft auch nur Bewegung, und das Innehalten in den Modus des Beobachters. Aber ich muss los, ist eh mehr als genug...

Schönen Tag!

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